KAISENHÄUSER

Was sind Kaisenhäuser?

Schon in den 20er und 30er Jahren wurden aus Gründen sozialer Not zahlreiche Eigenlandparzellen in Bremen dauerhaft bewohnt. Auch kleinbäuerliche Tierhaltung wurde zu dieser Zeit noch geduldet. Nach den Bombardierungen der Stadt Bremen gingen unzählige Ausgebombte ebenfalls auf ihre Parzellen und bauten ihre Häuschen und Lauben zu Wohnzwecken aus. Mit Kriegsende und in der unmittelbaren Nachkriegszeit kamen viele Vertriebene aus dem Osten hinzu. Auch auf Pachtparzellen wurde nun gebaut.

Die infolge der Kriegsauswirkungen angespannte Wohnraumsituation in der Stadt blieb bis zum Ende der 60er Jahre bestehen. In dieser Zeit lebten bis zu 80.000 Bremer „auf Parzelle“, wie die Historikerin Kirsten Tiedemann herausfand. Mittlerweile waren aus den früheren improvisierten „Behelfswohnheimen“ oftmals solide Einfamilienhäuser geworden.

Da der ersten Bremer Nachkriegsbürgermeister Wilhelm Kaisen, selbst lange Jahre Kleinsiedler in Borgfeld, die Wohnnutzung der Parzellen zeitweise genehmigt und die Menschen aktiv dazu aufgefordert hatte, erhielten die Häuser ihren heute noch bekannte Namen „Kaisenhäuser“.


Politischer Umgang mit den Kaisenhäusern

Obwohl die Erbauer der Kaisenhäuser mit ihrer eigenen Hände Arbeit und eigenem Geld die schwere Wohnungskrise nach dem Krieg in Bremen bewältigten und damit den Staat größtmöglich entlasteten, der zu dieser Zeit gar nicht in der Lage war, den benötigten Wohnraum zur Verfügung zu stellen, wurde ihr Lebenswerk nie gewürdigt.

Die Bremer Politik behielt sich stattdessen aus bauplanerischem und finanziellen Kalkül vor, die Kaisenhäuser im rechtlichen Graubereich zu belassen: Zwar duldete man die Häuser und ihre Wohnnutzung über Jahrzehnte, hatte aber stets bei Bedarf nach günstigem Bauland die rechtliche Handhabe, gegen die „Schwarzbauten“ vorzugehen und die Bewohner aus ihrem Zuhause zu vertreiben.

An diesem Zustand hat sich bis heute nichts geändert. Zwar wird in den letzten Jahren auf die Praxis der Zwangsabrisse verzichtet, dennoch schreitet die Baubehörde gegen jede „illegale Wohnnutzung“ der Häuser ein und schikaniert Besitzer von Kaisenhäusern.

Eine Legalisierung der Kaisenhäuser wäre auf verschiedene Weise schon immer möglich gewesen, es scheiterte in den letzten 70 Jahren immer am politischen Unwillen der regierenden Parteien.

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